Digital Signage und als die Bilder laufen lernten

Sie sehen Digital Signage, wenn Sie die Strasse entlanggehen, ein Restaurant besuchen, zum Flughafen fahren oder einen Einkaufsbummel machen. Denn: Digitale Beschilderungen sind überall. In Zeiten der Digitalisierung ist Digital Signage in der Schweiz aus dem stationären Handel, aber auch Branchen wie dem Tourismus- und Gastgewerbe nicht mehr wegzudenken. Der folgende Beitrag wirft einen Blick auf die Entwicklung und die Vorteile der digitalen Beschilderung und gibt Hinweise, die bei der Umsetzung individueller Digital-Signage-Lösungen helfen.

Die Themen in diesem Artikel:

Dank Digital Signage bewegte Bilder = auffallendere Werbung

Digital Signage und als die Bilder laufen lernten

Dank Digital Signage bewegte Bilder = auffallendere Werbung

Die Geschichte

Digitale Beschilderungen dienen dazu, audiovisuelle Inhalte auf verschiedenen Devices sowie wahlweise an mehreren Standorten auszuspielen.

Damit bilden klassische Plakate den Ausgangspunkt der digitalen Beschilderung. Vorteile bieten die digitalen Beschilderungen vor allem, was die Gestaltung der User-Journey angeht. So bietet digitale Beschilderung, die sich gemeinsam mit interaktiven Touch- sowie App-Lösungen verbinden lässt, potenziellen Käufern ein überdurchschnittliches Markenerlebnis. Möglich ist auch die Einbindung weiterer Technologien, beispielsweise Virtual Reality.

Bevor die allerersten digitalen Displays eingeführt wurden, nutzten Einzelhändler und andere Werbetreibende also analoge Displays. Inhalte wurden also auf analogen Medien wie VHS-Kassetten gespeichert.

Mit dem Aufkommen digitaler Medien – anfangs insbesondere in Form der DVD – entstanden auch die ersten Digital-Signage-Displays.

Während die modernen digitalen Displays, denen wir jeden Tag auf der Strasse begegnen, erst seit wenigen Jahren existieren, wurde der Begriff Digital Signage bereits in den 1990er Jahren geprägt. Bevor Philips im Jahr 1997 den ersten Flachbildfernseher auf den Markt brachte, wurden VHS- wie auch DVD-Inhalte auf CRT-Bildschirmen («Röhrenbildschirm») abgespielt.

Auf Philips folgte zwei Jahre später Pioneer mit weiteren Flachbildschirm-Modellen. Erst im Jahr 2001 waren die ersten LCD-Geräte erhältlich.

Mit ihrer zunehmenden Verbreitung sank auch der Preis der Geräte, sodass die digitale Beschilderung sich ab Ende der 1990er als eigenständige Technologie und Branche etablierte.

Wie funktioniert Digital Signage und was braucht man dafür?

Digitale Beschilderung ist immer ein System aus verschiedenen physischen und nicht-physischen Bestandteilen. Diese können in folgende Kategorien unterschieden werden:

  • Hardware:

    Die Hardware bildet die physische Komponente der digitalen Beschilderung. In diese Kategorie gehören Bildschirme und Halterungen, Netzwerkkomponenten und Media Player beziehungsweise Digital-Signage-Player.

  • Software:

    Die Software bezeichnet das Programm sowie die dazugehörigen Daten, mit dessen Hilfe das Gerät in der Lage ist, die ihm zugedachten Aufgaben zu erledigen. Mit der jeweiligen Software steuert man also die Geräte und Inhalte sowie gegebenenfalls die Playback-Anwendung auf dem Media Player. Hinzu kommt Software für die Bereiche Content Creation und Management.

  • Installation:

    Hiermit sind die Montage des Geräts vor Ort sowie die Einrichtung des Programms gemeint.

  • Konnektivität:

    Um die Konnektivität der digitalen Geräte an die CMS-Software zu gewährleisten, braucht es ein stabiles Wi-Fi, eine Mobile- oder Hard-Wired-Internetverbindung.

Hinzu kommt die Kostenstelle Content – denn schliesslich müssen kontinuierlich aktuelle und an den Bedürfnissen der Zielgruppe ausgerichtete Inhalte erstellt beziehungsweise beschafft werden.

Unabhängig davon, ob Sie sich an die Erstellung eines Digital-Signage-Netzwerks für den Vertrieb, für Ihre Gastronomie oder das Branding Ihrer Marke machen – der Prozess ist komplex und kann schnell unübersichtlich werden. Noch zeitaufwändiger wird das Ganze angesichts der riesigen Auswahl verschiedener Anbieter im Ökosystem der digitalen Beschilderung.

Werbende (oder solche, die es werden wollen) sollten sich daher die Frage stellen, was ihr ideales Ergebnis ist, also wie sie sich ihr live geschaltetes Digital-Signage-Netzwerk vorstellen.

Nur indem man sich fragt, was das Outcome sein soll, kann man nämlich die eigenen Bedarfe identifizieren und Ziele abstecken. Dabei helfen folgende weiteren Fragestellungen:

  • Welche Frist haben wir uns zur Realisierung des Projekts gesetzt?

  • Wie hoch ist unser Budget?

  • Wie viele Bildschirme sollen es sein?

  • Welche Strategie verfolgen wir in Sachen Content (Bilder, Videos, Live-Stream)?

  • Wie steht es um den technischen Support?

Erst wenn man genau weiss, welche Digital-Signage-Ziele man verfolgt und welche Ressourcen dafür zur Verfügung stehen, kann man sich daran machen, die ersten Bildschirme zu kaufen. Wer die obenstehenden Fragen noch nicht beantworten kann, sollte – zugunsten einer gewinnbringenden Digital-Signage-Lösung – einen Schritt zurückgehen und das Vorgehen noch einmal durchdenken.

Vor- und Nachteile von Digital Signage auf einen Blick

Das grosse Versprechen der digitalen Beschilderung ist, dass Werbetreibende ihre Zielgruppe anhand individueller, digital aufbereiteter Botschaften schneller und effektiver als früher erreichen.

Doch stimmt das auch? Klar ist, dass dynamische Kommunikation wirkungsvoller ist als statische Print-Botschaften. Trotzdem birgt die digitalen Beschilderung auch einige Risiken. Wir betrachten Vor- und Nachteile von Digital-Signage-Lösungen für Werbende und Anbieter.

Vorteile:

  • intensives Markenerlebnis durch Interaktion mit den Inhalten

  • geringerer Betreuungsaufwand durch automatisierte Inhalte

  • geringerer Aufwand durch Self-Service

  • Einfaches und schnelles Feedback von Kunden und Mitarbeitern

  • vereinfachte Leadgenerierung für den Vertrieb

  • Aktivierung junger, technikaffiner Zielgruppen

  • Umsatzsteigerung durch Verkauf von Werbezeiten (für Anbieter)

  • grössere Flexibilität bei der Auswahl der Inhalte und der Platzierung der Bildschirme

  • Verringern der wahrgenommenen Wartezeit der Kunden

Nachteile:

  • Hohe Anschaffungskosten

  • Hohe langfristige Kosten (für Störungen sowie für die Technik im Dauereinsatz an verschiedenen Orten)

  • Schwierige Messbarkeit des Return-on-Invest beziehungsweise der unternehmerischen Erfolge

  • Hohe Dynamik in den technischen Standards sowie in Nutzererwartungen und -verhalten

  • Sicherheitsrisiko durch die Nutzung von Netzwerken zur Informationsübertragung

  • Risiko gegenteiliger Effekte: Wenn Zielgruppe und Inhalt nicht kontinuierlich neu bedacht und beispielsweise veraltete Botschaften ausgespielt werden, bleibt die Werbewirkung aus oder kehrt sich sogar ins Gegenteil um.

  • Hoher Ressourcenverbrauch durch Produktion von LCD-Bildschirmen und Recheneinheiten, die Logistik und den Stromverbrauch

Die Möglichkeiten von Digital Signage werden laufen verändert und erweitert.

Digital Signage: die aktuellen Trends

Digital Signage ist gekommen, um zu bleiben.

Das belegt nicht nur die Tatsache, dass immer mehr Händler Displays in Form von Digital-Signage-Lösungen einsetzen, sondern auch das enorme Wachstum des Digital-Signage-Markts in den letzten zehn Jahren. So wurde der globale Markt laut einem Bericht von Allied Market Research aus dem Jahr 2018 auf 17,23 Milliarden Dollar taxiert. [vgl. alliedmarketresearch.com] Eine Studie von Global Market Insights aus dem Jahr 2016 prognostizierte ein Wachstum auf mehr als 23 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2023. [vgl. digitalsignagetoday.com]

Die Herausforderung für Werbetreibende in den nächsten Jahren wird sein, sich vom Giesskannenprinzip zu lösen und die durch die digitale Beschilderung gewonnen Daten für die Erstellung relevanten Contents zu nutzen. So kann es nicht darum gehen, Digital-Signage-Systeme als blosse Ausspielinstrumente zu verstehen.

Stattdessen müssen Werbende sich bewusst werden, dass Displays und Touchpoints wertvolle Datenquellen sind. Auf dieser Grundlage bietet sich zum Beispiel die Möglichkeit, an speziell dafür eingerichteten Terminals zu erfassen, welche Produkte besonders viele Interaktionen anstossen. Die gesammelten Daten geben zum einen Einblicke in das Nutzerverhalten und dienen zum anderen als Grundlage für die Erstellung passender Inhalte.

In diesem Zukunftsszenario könnte auf Kundendaten basierender Content – also neben Werbebotschaften beispielsweise Rezensionen, Testemonials oder individuelle Service-Informationen – automatisiert auf beliebigen Displays ausgespielt werden.

Digital Signage im Web

© industrie-produkte.ch, Autorenteam, Charlotte Schwan – 21.3.2021

Verantwortung und redaktionelle Leitung industrie-produkte.ch

Andreas Räber ist seit über 40 Jahren im Verkauf, Marketing und Coaching tätig. Er hat die Ausbildung zum Lebensmittelverkäufer, Marketingplaner bis hin zum Filialeiter bei einem grossen Detailhandelsunternehmen in der Schweiz  erfolgreich abgeschlossen. Er teilt sein umfangreiches Wissen auf verschiedenen Plattformen im Web rund um Verkauf, Marketing, Verkaufsförderung und Verpackungen.

Andreas Räber: Redaktionelle Leitung industrie-produkte.ch